Hardcore Alleinerziehend
Hardcore Alleinerziehend ist ein politisches und kommunikatives Projekt zur Sichtbarmachung der Lebensrealitäten von Menschen, die überwiegend oder vollständig allein Sorgearbeit leisten. Im Mittelpunkt stehen strukturelle Benachteiligungen, die sich aus einer Familien- und Sozialpolitik ergeben, die nach wie vor vom Zwei-Eltern-Modell ausgeht.
Das Projekt macht deutlich, dass Alleinerziehende nicht nur individuell, sondern strukturell benachteiligt sind: durch unzureichende soziale Absicherung, fehlende rechtliche Anerkennung, Diskriminierung auf dem Wohnungs- und Arbeitsmarkt sowie durch eine mangelnde Berücksichtigung ihrer Lebensrealitäten in politischen Entscheidungsprozessen. Besonders im Fokus steht die Frage, wie Sorgearbeit gesellschaftlich bewertet wird und wer sie trägt.
Meine Rolle
Ich war verantwortlich für die Konzeption des Projekts, die inhaltliche Strukturierung sowie die Erarbeitung eines Positionspapiers. Dabei habe ich zentrale Forderungen, Argumentationslinien und sprachliche Leitplanken entwickelt, um die komplexe Situation Alleinerziehender verständlich und politisch anschlussfähig darzustellen.
Das Projekt wurde gemeinsam mit Alleinerziehenden entwickelt und basiert auf ihren Erfahrungen, Perspektiven und konkreten Bedarfen. Die Inhalte, Forderungen und sprachlichen Setzungen sind in einem gemeinsamen Arbeitsprozess entstanden und wurden kontinuierlich mit Betroffenen rückgekoppelt.
Ein inhaltlicher Schwerpunkt meiner Arbeit lag auf der Frage der rechtlichen Anerkennung von Alleinerziehenden im Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetz (AGG). Das Projekt untersucht, inwiefern bestehende Diskriminierungsmerkmale die Lebensrealitäten Alleinerziehender unzureichend abbilden und welche Konsequenzen sich daraus für Schutz, Teilhabe und Gleichstellung ergeben.
Darüber hinaus habe ich an der Entwicklung einer klaren, diskriminierungssensiblen Sprache gearbeitet, die strukturelle Zusammenhänge sichtbar macht. Ziel war es, eine Sprache zu finden, die politische Forderungen formuliert und zugleich Erfahrungsräume ernst nimmt.
Das Projekt wurde für den Freizeithaus e. V. Berlin-Weißensee umgesetzt und durch das Bezirksamt Pankow im Rahmen des Programms „Stärkung Berliner Großsiedlungen“ gefördert. Es knüpft an die Erfahrungen und Texte aus dem Magazin „Superpower? Alleinerziehend!“ an und entwickelt daraus konkrete politische Forderungen sowie Strategien für Lobby- und Öffentlichkeitsarbeit.
Den Abschluss des Projekts bildete am 23. Juni 2026 eine öffentliche Fishbowl-Diskussion im Kultur- und Bildungszentrum Raoul Wallenberg in Berlin-Weißensee. Gemeinsam mit Lisa Paus, Laura Muskalla, Desislava Haak, Rachel Nangally und Gabriela Zorn diskutierten Betroffene, Fachöffentlichkeit und politische Akteur*innen über strukturelle Benachteiligungen von Alleinerziehenden sowie notwendige politische und gesellschaftliche Veränderungen. Die Veranstaltung machte die Forderungen des Projekts öffentlich sichtbar und brachte unterschiedliche Perspektiven aus Politik, Praxis und Zivilgesellschaft miteinander ins Gespräch.
Neben der konzeptionellen und inhaltlichen Entwicklung des Projekts habe ich die öffentliche Kommunikation verantwortet und die abschließende Fishbowl-Diskussion konzipiert und moderiert. Mehr Infos zum Projekt finden sich auf dem Instagramkanal, der von Betroffenen Hardcore Alleinerziehenden als Vernetzungsplattform weitergeführt wird.